Ratgeber · 5 Min. Lesezeit
Fiktive Abrechnung – wann sie sich lohnt und wann nicht
Der Klassiker bei älteren Fahrzeugen – mit ein paar Regeln, die man kennen muss.
Kurz und knapp
Bei der fiktiven Abrechnung lässt du dir die im Gutachten ermittelten Reparaturkosten netto auszahlen, ohne das Fahrzeug reparieren zu lassen. Die Mehrwertsteuer wird nicht erstattet, weil sie nicht angefallen ist. Wertminderung und Nutzungsausfall bleiben davon unberührt.
Geprüft von Christian Garic, Kfz-Sachverständiger · Stand: 26. August 2026
So funktioniert es
Das Gutachten weist die erforderlichen Reparaturkosten aus. Du entscheidest dich, das Geld zu nehmen und selbst zu reparieren, günstiger reparieren zu lassen oder das Fahrzeug so weiterzufahren.
Grundlage sind die ortsüblichen Stundenverrechnungssätze. Der Versicherer darf dich unter bestimmten Voraussetzungen auf eine günstigere, gleichwertige freie Werkstatt verweisen – aber nicht pauschal und nicht bei jungen oder scheckheftgepflegten Fahrzeugen.
Was du bekommst und was nicht
- Netto-Reparaturkosten laut Gutachten: ja
- Mehrwertsteuer: nur bei tatsächlicher Reparatur mit Rechnung
- Merkantile Wertminderung: ja
- Nutzungsausfall: ja, aber nur mit Nachweis der Ausfallzeit
- Sachverständigenkosten: ja
- Kostenpauschale: ja, meist 25 bis 30 Euro
Die 130-Prozent-Falle bei fiktiver Abrechnung
Liegen die Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert, darfst du fiktiv nur bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswerts abzüglich Restwert abrechnen. Die erweiterte 130-Prozent-Regel gilt nur bei tatsächlicher, fachgerechter und vollständiger Reparatur.
Wenn du später doch reparierst
Du kannst auch nach fiktiver Abrechnung noch reparieren lassen und die Mehrwertsteuer nachfordern. Dafür brauchst du eine Rechnung. Für den Nutzungsausfall brauchst du zusätzlich eine Reparaturbestätigung vom Sachverständigen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den allgemeinen Stand der Praxis wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für die rechtliche Durchsetzung arbeiten wir mit spezialisierten Verkehrsrechtsanwälten zusammen.